Gelebte Resilienz
Be Connected by Bettina Bonkas – Resilienz
empathisch. praktisch. lösungsorientiert.
Gelebte Resilienz
Resilienz beschäftigt mich schon lange aus persönlichen Gründen: Wie schaffen es manche Menschen, an einer Krise nicht zu zerbrechen, sondern sogar noch gestärkt herauszugehen? Und wie meistern wir alltägliche Herausforderungen, wie Stress, Leistungsdruck oder Unsicherheiten, ohne uns selbst zu verlieren?
In der Psychologie bezeichnet Resilienz die seelische Widerstandskraft und die Fähigkeit von Menschen, Krisen gut zu bewältigen und an ihnen zu wachsen. Solche Menschen werden oft als „Stehaufmännchen“ bezeichnet.
Fokus auf Stärken statt Defizite
In der Resilienzforschung stehen nicht die Defizite eines Menschen im Mittelpunkt, sondern seine Stärken. Im Laufe der Zeit wurden Resilienzfaktoren definiert, die entscheidend für Resilienzentwicklung sind. Die gute Nachricht: Man kann Resilienz lernen – jederzeit. Aber: Man kann es aber auch wieder verlernen.
Bei Ella Amann vom Resilienz-Forum in Berlin habe ich meine Ausbildung zum Resilienz-Practitioner gemacht. Von ihr kommt die Resilienzförderung nach dem Bambus-Prinzip®. Wir arbeiten dabei mit diesen acht Resilienz-Kompetenzfeldern für eine gelebte Resilienz.
Improvisationsvermögen ist mehr als eine Fähigkeit – es ist ein wichtiger Resilienzfaktor. Warum, erläutere ich ausführlich hier: Improvisation.
Acht Resilienz-Kompetenzfelder
- Optimismus, positive Selbsteinschätzung
- Akzeptanz & Realitätsbezug
- Lösungsorientierung & Kreativität
- Selbstregulation & Selbstfürsorge
- Selbstverantwortung & Selbstwirksamkeit
- Beziehungen & Netzwerke
- Zukunfsgestaltung – Visionen, Aufträge, Werte
- Improvisationsvermögen & Lernbereitschaft

Eine persönliche Geschichte
Ich möchte Dir nun eine Geschichte erzählen – die Geschichte meines Vaters. Sie zeigt, wie Resilienzfaktoren im echten Leben angewandt werden – oft intuitiv, ohne dass man sich bewusst ist, dass es Resilienz ist.
Die Geschichte beinhaltet fiktive Elemente und wahre. Mein Vater, Hans Bonkas – Wikipedia, überlebte Gefangenschaft und Neustart in der BRD, bei ihm allerdings ohne Familie. Trotz widrigster Umstände bewahrte er Moral, Würde und innere Stärke. Er glaubte an seine Fähigkeiten und baute sich Schritt für Schritt eine neue Existenz auf. Dabei begleitete ihn:
„Sie konnten mir alles nehmen, aber nicht meinen Willen.“
Für die Soundaufnahme gehe bitte auf den Link und scrolle dann runter:
Soundaufnahme

Resilienz praktisch erleben
Optimismus & positive Selbsteinschätzung
Mein Vater wusste während der Gefangenschaft, dass er mit stärkeren Gefangenen kräftemäßig nicht mithalten kann. Aber er war clever. So kam es, dass er das Heizsystem berechnete. Damit hat er sich seine Gefangenschaft ein klein wenig erträglicher gemacht.
Akzeptanz & Realitätsbezug
Ich habe ihn einmal gefragt, ob er nicht verbittert war, denn er hatte zwei Diktaturen miterlebt: Erst hat ihm der Krieg seine Jugend genommen und dann die Gefangenschaft einen Teil seines Lebens. Er hatte nicht die Chancen, die andere haben.
Seine Antwort fand ich sehr beeindruckend: „Das Gefängnis war meine Universität.“ Er beherrschte unbewusst die Kunst des Umdeutens, den Perspektivwechsel.
Er sah in seiner Gefangenschaft eine Sinnhaftigkeit/Bedeutsamtkeit und lebte diese später in seiner Aufgabe als Zeitzeuge sehr überzeugend. Was ich bewundernswert und sehr schön finde ist, dass mein Vater überhaupt nicht verbittert war, sondern immer nach Möglichkeiten schaute, wie er seinen Weg gehen konnte. Er war vielmehr sehr dankbar für sein Leben.
Im Alter hat er gelernt, seine Antreiber nicht mehr zu ignorieren. Stürze schränkten ihn ein. Er zog seine Konsequenzen daraus und wurde achtsamer, ein Riesenschritt für meinen Vater, der immer ein kleiner Hektiker war.
Lösungsorientierung & Kreativität
Als mein Vater in der BRD neu anfing war es ihm wichtig, ein gesichertes Leben zu haben. Er wurde Beamter. Gleichzeitig träumte er davon zu reisen. All das, worüber er gelesen hatte, wollte er nun kennenlernen.
Später, als er sich eingewöhnt hatte und auch wieder Pläne schmieden konnte, begann er für das Amtsgericht, wo er arbeitete, Reisen zu organisieren: nach Paris, London, Israel, Ägypten, Sowjetunion – weltweit. Er organisierte die Reisen komplett selbst und ging dafür zu Konsulaten.
So begannen seine ersten Schritte zu einer seiner Leidenschaften: dem Reisen. Seine Initiative machte es ihm möglich, sich die Reisen finanziell leisten zu können.
Natürlich sah er auch Probleme, aber primär hat er in Lösungen gedacht.
Selbstregulation & Selbstfürsorge
Mein Vater hat sich Auszeiten genommen. Zeit für sich und zum Lesen waren ihm sehr wichtig. Auch seinen Garten liebte er und Tiere. Er freute sich, den Vögeln zuzuschauen, wenn er sie fütterte. So gerne er unterwegs war und sich mit Menschen austauschte und in seiner Aufgabe als Zeitzeuge aufging, so wichtig war ihm sein Zuhause als Ruhepol. Er war auch konsequent: Unser Vater, bei dem es immer schnell gehen musste, wurde nach zwei Stürzen viel achtsamer und passte mehr auf sich auf.
Selbstverantwortung & Selbstwirksamkeit
Mein Vater hat sich nicht als Opfer gesehen. Er war ein Macher und hat sich immer Aufgaben gesucht. Seine Berufstätigkeit erfüllte ihn. Dann kam seine Pensionierung: Was tun? Er gestaltete sie sich: Er knüpfte Kontakte über Jahre hinweg, aufgebaut mit sehr viel Geduld. Mit Schülern, Auszubildenden und Soldaten bereiste er später Deutschland als Zeitzeuge, er nahm sie mit nach Berlin, wo sie Politiker trafen und diskutierten.
Er sagte immer:
„Wer in der Demokratie einschläft, wacht in der Diktatur auf.“
Diese Aufgabe war ihm eine Herzensangelegenheit.
Zur Übernahme von Selbstverantwortung gehört auch, sich versöhnlich zu zeigen. Ich fragte ihn einmal, ob er nicht den Russen gegenüber verbittert sei. Sie hatten ihn inhaftiert. Daraufhin antwortete er mir: „Sie konnten mir alles nehmen, aber nicht meinen Willen. Ich wusste, dass ich im Recht bin und zum Schluss habe ich gesiegt.“ Er erwähnte auch immer wieder, wie sehr die russische Bevölkerung im Krieg unter den Deutschen gelitten hatte. Er rechnete ihnen hoch an, dass sie trotzdem den Deutschen gegenüber so freundlich waren.
Beziehungen & Netzwerke
Mein Vater hatte aus seiner Zeit der Gefangenschaft wunderbare Freunde. Diese hatte er bis zu seinem Lebensende. Als er später als Zeitzeuge aktiv war, baute er sich auch ein Netzwerk an Freund- und Bekanntschaften auf. Er war gerne für sich alleine, aber der Austausch mit anderen über Politik und Geschichte bereicherte ihn immer wieder.
Aus dem Zusammentreffen mit jungen Leuten und Soldaten nahm er ebenfalls sehr viel mit. Ihnen als Zeitzeuge von seinen Erfahrungen zu berichten, sie mit Politikern zusammenzubringen, Politik erlebbar zu machen und ihnen damit zu zeigen, wie wichtig es ist, dass sich jeder mit seinen Fähigkeiten zum Wohle der Gesellschaft einbringt, war ihm eine Herzensangelegenheit. Die Dankesbriefe, die er von den Teilnehmern bekam, haben ihm viel bedeutet.
Seine Familie war ihm auch sehr wichtig. Er liebte seine Enkelkinder und genoss es sehr, wenn wir alle zusammen verreisten.
Zukunftsgestaltung – Visionen, Aufträge, Werte
Visionen & Werte: Das prägte meinen Vater. Er hatte immer eine Vision, wo es für ihn hinging. Wahrscheinlich hätte er selbst es gar nicht so genannt. Ihn prägten auch Menschen, die ihn sehr beeindruckten und an denen er sich orientierte, so z.B. Helmut Schmidt, den er persönlich treffen konnte. Und er hatte Werte: Er spendete viel, insbesondere für Kinder aus armen Gegenden, denen es nicht so gut ging wie ihm.
Improvisationsvermögen & Lernbereitschaft
Mein Vater war bis ins hohe Alter neugierig, offen und wissbegierig. Wenn jemand gute Argumente brachte, überdachte er seine Meinung.
Das Organisieren der Reisen fürs Amtsgericht zeigt, dass er improvisieren konnte. Er hatte die Fähigkeit aus dem, was er hatte, das Beste zu machen. Er suchte immer nach machbaren Lösungen, das zog sich wie ein roter Faden durch sein Leben. – Was er Zeit seines Lebens lebte, war gelebte Resilienz.
Anmerkung
Natürlich war nicht alles einfach. Anfangs, als er nach dem Gefängnis nach Frankfurt kam, konnte er nicht alles einfach hinter sich lassen. Und natürlich war mein Vater nicht perfekt: Er musste im Krieg und während seiner Gefangenschaft in einen Überlebensmodus schalten. Das legt man danach nicht einfach ab und es macht das Zusammenleben nicht immer einfach. – Wenn man glaubt, dass es woanders reibungslos läuft, steckt oft harte Arbeit dahinter: gelebte Resilienz.
Mindset
Das war ein Auszug aus dem Resilienzmodell von Ella Amann. Ihr Modell ist ein Meta-Modell, d.h. es spielen noch weitere Ebenen mit hinein, so z.B. meine innere Haltung (Mindset): Ich muss wirklich wollen. Ich erwähnte bereits oben, dass man Resilienz lernen kann. Das bedarf der Übung – Resilienz ist ein dynamischer und lebenslanger Prozess. Sehr wichtig ist dabei, dass ich es verinnerliche und der Wandel in meinem Inneren (Haltung) ankommt. Daraus entsteht geistiges Wachstum.
Embodiment
Resilienz zeigt sich auch auf körperlicher Ebene (Embodiment): Mit meinem Körper kann ich mich weit machen und öffnen. Er spiegelt meine innere Haltung wider. Mit meinem Körper unterstütze ich meinen geistigen Wachstumsprozess.
Wenn Du an dem Thema interessiert bist, könnten Dich meine Beiträge zu
- Embodiment: Amy Cuddy Power Posing und
- „Salutogenese – Was hält uns gesund?“ interessieren.

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Anmerkung zum „Du“: Mit dem Du überbrücke ich die Distanz, die zwischen uns, die wir uns nicht persönlich kennen, besteht.

