Juli 2014: Short story: I’ve killed him – Kurzgeschichte: Ich habe ihn getötet

Sommerzeit = Urlaubszeit und für manche auch Lesezeit. Vielleicht habt ihr Lust und vor allem auch Zeit, unsere Beiträge auf diesem Blog zu lesen und euer Englisch mit Kurzgeschichten (auf Englisch & Deutsch) zu üben. Wir würden uns sehr freuen. :-))

In der Juli-Geschichte geht es um einen schrecklichen Unfall. Aber ist immer alles so, wie es scheint? Lest selbst.

Viel Spaß beim Lesen und habt eine wunderschöne Sommerzeit!

I’ve killed him by Bettina Bonkas

”I, I’ve killed him”, the woman stammered. “I, I’m a murderer.” She stared, shocked, at the dead body of the man who was lying in front of her. The young policeman touched her arm gently. “You shot him by accident”, he said trying to console her. She didn’t seem to hear him. Again and again she looked at the motionless body. This person was once her husband. Now he was dead, killed by her hand.

She looked at the policeman and then at her dead husband. Over and over again. All of a sudden it burst out of her. She started sobbing uncontrollably. The young police officer was standing helplessly next to her. His colleagues were busy with investigating the crime scene. It was really too tragic, shooting your own husband.

“Can we go into another room?” he finally asked her. She nodded and led them wordlessly into the neighbouring room. After she had calmed down, she saton the sofa opposite him. She was trembling a bit but seemed to have regained her composure. “Is there anything you’d like to add to your statement, Mrs Wellenbrink?” the young policeman asked her. She was silent before she began talking falteringly. “It, it was so dark. I couldn’t see anything.“ She fell silent again. „And then, there were those rattling noises, over and over again. It was so scary.” Her body began to shake. „You don’t have to go on speaking if you don’t want to“,the policeman said trying to assure her. “You’ve already told us everything.“ She looked exhausted but she went on talking. “It’s about my husband. I simply have to do it. I heard someone at the door. I shouted „Is there someone there?“ but got no reply. She went on talking more hastily. “I was so scared. There was someone by the door and I was at home all by myself. There are a lot of break-ins in our area. They also tried to get into our house.” “Yes, we know, you called us repeatedly in the past. We found footprints and signs of burglary at your terrace door”, he confirmed her statement. Mrs Wellenbrink didn’t seem to hear him and continued: “There was someone here, not for the first time. Footprints had been found in the flowerbed and the terrace door had been damaged. They had tried to prise the door. I’d thought they’d come back. I was terrified.” She folded her arms in front of her chest. It looked as if she was holding herself and she swayed back and forth at the same time. But she wasn’t crying anymore. “It was an accident”, the policeman said. “You thought your husband was a burglar.” She simply stared at him. “Hadn’t I better call your doctor?” She hesitated. “No, I’ve got tranquilisers at home. I’d got them after they’d tried to break in here …”.She broke off. “I’m going to my sister tomorrow. I’ll stay here today. “ „Are you sure …?“ She nodded silently and looked at him from tear-stained eyes. “Before we go, may I use your toilet?” the young police officer asked her. She nodded and pointed towards the exit.

In the meantime his colleagues from the Forensic Squad and the pathologist had finished their work. They said goodbye and left the woman behind alone. The door fell in the lock quietly.

The same woman was now enjoying a brandy, lit a cigarette and leaned back into the sofa. Silence at last. Gosh, that young policeman was ever so stupid. What was written on his name tag? Martin Rödelstab. You could only be daft with a name like that. So easily wrapped around your little finger. Too bad about her new designer carpet. She would hopefully get rid of the bloodstains. How easy it was to lie to the police. She had planned the act in detail over a long period. Among them the previous phone calls to the police. “Help, someone is trying to break in?” she chirped in a high-pitched voice and burst out laughing. A few fake pieces of evidence for the alleged attempted break-ins (for that reason she’d been to Aldi for the first time to get a pair of shoes and tools) and lots of tears. That was all.

Hopefully she wouldn’t get any eye bags now. Oops, she completely forgot to tell the policeman that her husband had always taken the key from under the flower pot on the terrace when he’d been on one of his little pub crawls and had left his key at home. Satisfied with herself and her plan she leaned backwards and put her feet on the table. Everything was hers now.

She was woken by the clattering of the letter box. She must have fallen asleep. Who threw something inside at this time of night? Curiously she went to the letter box. She took out an envelope.

“Got receipt from Aldi. Their shoes fit footprints from garden & tool traces. Keep silent for 50,000.—M.R.
P.S. Not you get with me in touch but I with you, not vice versa.”

Hastily she went to the guest toilet. She reached for the toilet paper roll. In there she had put the Aldi receipt. The toilet roll was gone. She opened the waste bin and found the empty roll. Why hadn’t she thrown away that damn receipt?

 

Ich habe ihn getötet von Bettina Bonkas

„Ich, ich habe ihn getötet“, stammelte die Frau. „Ich, ich bin eine Mörderin.“ Sie starrte fassungslos auf die Leiche des Mannes, die vor ihm lag. Der junge Polizist fasste sie behutsam am Arm. „Sie haben ihn aus Versehen erschossen“, versuchte er sie zu beruhigen. Aber sie schien nichts zu hören. Immer wieder schaute sie auf den regungslosen Körper. Dieser Mensch war einmal ihr Mann gewesen. Jetzt war er tot. Getötet durch ihre Hand.

Sie schaute auf den Polizisten, dann wieder auf ihren toten Mann. Immer wieder. Schließlich brach sie in hemmungsloses Schluchzen aus. Der junge Polizeibeamte stand etwas hilflos neben ihr. Seine Kollegen waren mit der Spurensicherung beschäftigt. Es war auch zu tragisch. Den eigenen Mann erschossen.

„Können wir in einen anderen Raum gehen?“, fragte er schließlich. Die Frau nickte wortlos und führte sie ins Nachbarzimmer. Nachdem sie sich etwas beruhigt hatte, setzte sie sich ihm gegenüber aufs Sofa. Sie zitterte, wirkte aber einigermaßen gefasst. „Möchten Sie noch etwas zu Ihrer Aussage hinzufügen, Frau Wellenbrink?“, fragte sie der junge Polizist. Sie schwieg, bevor sie schließlich stockend redete. „Es, es war so dunkel. Ich konnte nichts sehen.“ Sie schwieg wieder. „Und dann waren da immer wieder diese klappernden Geräusche. Es war so unheimlich.“ Sie fing an, stärker zu zittern. „Sie müssen nicht weiterreden, wenn Sie nicht möchten“, beruhigte sie der Polizist. „Sie hatten uns das bereits erzählt.“ Sie wirkte erschöpft, dennoch fuhr sie fort zu reden. „Es ist mein Mann. Ich, ich muss es tun. Ich hörte, dass jemand an der Tür war. Ich rief: „Ist da jemand?“ bekam aber keine Antwort.“ Sie redete immer zügiger. „Ich hatte solche Angst. Da war jemand an der Tür und ich war allein zu Hause. Hier in der Gegend wird viel eingebrochen. Bei uns wurde es auch schon probiert.“ „Ja, wir wissen, dass Sie in der Vergangenheit wiederholt bei uns angerufen haben. Es wurden Fußabdrücke gefunden und Einbruchsspuren an der Verandatür“, bestätigte der junge Polizist ihre Aussage. Frau Wellenbrink schien ihn nicht zu hören und fuhr fort: „Es war jemand hier, nicht zum ersten Mal. Es wurden Fußabtritte in den Blumenbeeten gefunden und die Verandatür wurde beschädigt. Sie hatten versucht, die Tür aufzustemmen. Ich hatte gedacht, sie seien zurückgekommen. Ich hatte solche Angst.“ Sie verschränkte die Arme vor ihrer Brust und schien sich ganz fest zu halten, dabei wippte sie nach vorne und hinten. Aber sie weinte nicht mehr. „Es war ein Versehen“, sagte der Polizist. „Sie hatten gedacht, dass Ihr Mann ein Einbrecher sei.“ Sie starrte ihn nur an. „Soll ich nicht doch besser Ihren Arzt anrufen?“ Sie zögerte. „Nein, ich habe Beruhigungstabletten zu Hause. Die hatte ich mir besorgt, nachdem sie hier versucht hatten …“ Sie brach ab. „Morgen fahre ich zu meiner Schwester. Heute bleibe ich noch hier.“ „Sind Sie sicher…?“ Sie nickte stumm und schaute ihn aus verweinten Augen an. „Bevor wir gehen, dürfte ich kurz Ihre Toilette benutzen?“, fragte sie der junge Polizist. Sie nickte und deutete in Richtung Ausgang.

Mittlerweile waren auch seine Kollegen von der Spurensicherung und die Gerichtsmedizinerin mit ihrer Arbeit fertig. Sie verabschiedeten sich und ließen die Frau alleine zurück. Die Tür fiel leise ins Schloss.

Dieselbe Frau gönnte sich nun einen Brandy, zündete sich eine Zigarette an und lehnte sich ins Sofa zurück. Endlich Ruhe. Mann war dieser junge Polizist blöde. Was stand auf seinem Namensschild? Martin Rödelstab. Wer so hieß, konnte nur dämlich sein. Ließ sich so leicht um den Finger wickeln. Schade um ihren neuen Designerteppich. Hoffentlich würde sie die Blutflecken herausbekommen. Wie leicht die Polizei doch zu belügen war. Sie hatte die Tat von langer Hand geplant. Dazu hatten auch die früheren Anrufe bei der Polizei gehört: „Hilfe, da versucht jemand bei mir einzubrechen?“ piepste sie mit hoher Stimme und lachte schallend. Ein paar fingierte Beweise für die angeblichen Einbruchsversuche (dafür war sie zum ersten Mal beim Aldi und hatte dort Schuhe & Werkzeug gekauft) und jede Menge Tränen. Das war’s. Hoffentlich bekam sie jetzt keine Tränensäcke. Ups, hatte sie doch glatt vergessen, dem Polizisten zu sagen, dass ihr Mann immer den Schlüssel aus dem Blumentopf auf der Veranda holte, wenn er wieder mal von einer seiner kleinen Sauftouren kam und seinen Schlüssel zu Hause vergessen hatte. Zufrieden mit sich selbst und ihrem Plan lehnte sie sich zurück und legte die Füße auf den Tisch. Alles gehörte nun ihr.

Sie erwachte vom Klappern des Briefkastens. Sie musste eingeschlafen sein. Wer warf ihr denn jetzt noch etwas ein? Neugierig ging sie zum Briefkasten. Sie öffnete ihn und holte einen Umschlag heraus.

“Habe Quittung vom Aldi. Schuhe dort passen zu Abdrücken im Garten + Werkzeugspuren. Schweige für 50.000,– M.R.
P.S. Nicht Sie erreichen mich, sondern ich Sie.”

Schnell lief sie zur Gästetoilette. Sie griff nach der Toilettenpapierrolle. Dort hatte sie den Kassenzettelvom Aldi hinein gegeben. Die Toilettenrolle war weg. Sie machte den Abfalleimer auf und fand dort eine leere Rolle. Warum hatte sie diesen verdammten Kassenzettel nicht weggeworfen?