Januar 2018: Short Story: Man muss nur wollen – Just do it

Mit den besten Wünschen fürs neue Jahr

Man muss nur wollen von Bettina Bonkas

Au!“, schrie Jan-Oliver. „Das hat wehgetan!“

Sind Sie ein Mädchen oder ein Mann?“, fragte ihn Mariucca.

Das hat doch damit nichts zu tun. Sie sind manchmal einfach zu grob.”

Das haben Sie beim letzten Mal auch gesagt und es hat gutgetan Ihnen. Sie werden sehen, Sie werden aufstehen und sich fühlen wie neu“, bemerkte Mariucca ungerührt und machte unverdrossen weiter. „Außerdem, es ist nicht meine Schuld, wenn Sie sind so verspannt. Sie müssen nicht so viel arbeiten. Sie arbeiten, sind verspannt, arbeiten, sind verspannt und zwischendurch ich Sie massiere und versuche zu helfen, was zu helfen geht.“

Jan-Oliver seufzte. Mariucca hatte recht. Beim letzten Mal tat es ihm auch weh, nach ihrer Massage fühlte er sich aber deutlich besser. Sie würde wohl nie verstehen, dass ein verantwortungsvoller Job auch einen hohen Einsatz erforderlich machte. „Ich weiß, Sie jetzt denken, dass ich nicht verstehe, warum Sie so viel arbeiten.“ Jan-Oliver schaute sie verblüfft an und wollte etwas erwidern, aber Mariucca war schon am Weiterreden. „Machen Sie wenigstens immer wieder ein paar Übungen, um zu strecken den Rücken und Brust weit machen.“ Und sie machte ihm ein paar Übungen vor. „Das wird Ihren Körper entspannen und Sie auch. Denken Sie daran!“ Und mit diesen Worten stapfte sie davon.

Nach der Massage ging Jan-Oliver in sein Arbeitszimmer, um weiterzuarbeiten. Er hörte im Hintergrund, wie Mariucca in der Küche aufräumte, aber bald war er so vertieft in seine Arbeit, dass er sie vergessen hatte. Tatsächlich aber dachte er an ihre Worte und machte zwischendurch immer wieder ein paar Übungen, um seine Rücken- und Schulterpartie zu entspannen.

Ihm fiel erst gar nicht auf, dass er Mariucca nicht mehr hörte, eine Weile schon nicht mehr, wie ihm bewusst wurde. Er rief wiederholt ihren Namen und schaute in der Wohnung nach ihr. Er und Kerstin bewohnten die beiden oberen Etagen einer Penthouse-Wohnung direkt am Westhafen in Frankfurt. 150 qm besaßen sie und zwei große Balkons, einen zur Südseite, den anderen zum Westen. Sie hatten auf ihren Balkons große Blumenkübel und gemütliche Lounge Sitzgruppen. Vielleicht war sie dort zum Saubermachen. Aber auch dort konnte Jan-Oliver sie nicht finden, was nicht wirklich verwunderlich war, es war Winter. In der Küche sah er schließlich ihre Tasche. Komisch! Das war doch gar nicht ihre Art, irgendwo stillschweigend in der Wohnung zu reinigen. Entweder sang sie vor sich hin oder war am Telefonieren mit Plug-ins. Jan-Oliver konnte sich seine Unruhe auch nicht erklären, aber ihre Abwesenheit verunsicherte ihn. Er wollte sie gerade auf ihrem Handy anrufen, als die Lifttür zur Wohnung aufging und Mariucca mit einem schweren Karton hineinkam.

Helfen Sie mir!“.

Schnell nahm ihr Jan-Oliver den schweren Karton ab. „Was haben Sie denn da hochgetragen?“ Er war erstaunt.

Mariucca strahlte übers ganze Gesicht. „Das habe ich gefunden im Keller. Es ist eine elektrische Eisenbahn. Unten Sie haben eine riesengroße Platte mit Gleisen und Landschaft. Ich habe einen Teil hochgetragen.“

Jan-Oliver staunte: seine Eisenbahn. Wie lange schon hatte er schon nicht mehr damit gespielt. Aber dann fielen ihm wieder Kerstins Worte ein. „Das ist nett, Mariucca, aber Kerstin meint, dass wir dafür keinen Platz haben. Ich solle sie lieber einem Kind schenken, das mehr damit anfangen kann, ich sei schon zu alt dafür.“

Papalapap. Für eine Eisenbahn man nie ist zu alt. Und wenn Sie wollen die Eisenbahn, dann Sie mit den Fingern auf Tisch hauen müssen.“

Mit der Hand auf den Tisch hauen“, verbesserte sie Jan-Oliver automatisch. Sie schaute ihn nur ungerührt an.

Wenn man etwas möchte im Leben, man muss kämpfen dafür. Und die Eisenbahn Ihnen würde guttun. Sie sind viel zu ernst, Sie brauchen mehr vom Kind. Mehr Spielen ist guter Vorsatz für Sie fürs nächste Jahr.“

Beim Anblick der Eisenbahn bemerkte Jan-Oliver sofort, wie der kleine Junge in ihm zum Vorschein kam. Er hatte große Lust, die Eisenbahn auszupacken, Landschaften zu bauen und die Bahn durchfahren zu lassen. Schon als Junge hatte er viel an seiner Eisenbahn gebaut. Wenn sich seine Eltern stritten, ließ er seine Bahn fahren und konnte bei dem gleichförmigen Fahrgeräusch völlig abschalten. Er spürte, wie er zunehmend aufgeregter wurde und immer stärker die Lust aufkam, wieder seine Bahn zu aktivieren. Aber Kerstin würde gar nicht begeistert sein. Das wäre dann kein Stehrümchen, sondern ein ausgewachsener Stehrummer.

Mariucca schien seinen inneren Kampf zu bemerken. Es war manchmal richtig unheimlich, was sie alles wahrnahm. „Wo ist Frau Hagebeck?“

Kerstin ist in China. Sie wird am Freitag wieder zurückkommen.“ Kerstin war viel auf Geschäftsreisen, das brachte ihr neuer Job mit sich. Jan-Oliver war nicht glücklich darüber, aber er wollte ihrer Karriere nicht im Weg stehen, er wusste wie wichtig ihre Geschäftsreisen dafür waren. Ihm war sein Job ja auch wichtig und wenn er etwas Dringendes fertigstellen musste und keine Zeit hatte, war es Kerstin, die seine Eltern besuchte.

Dann bauen Sie auf bis dahin die Bahn und sehen Sie, wie gut sie Ihnen tut. Das kann ich jetzt schon sehen. Meine Mutter hat immer gesagt: Sei gut zu Kind in dir. Wenn Frau Hagebeck zurückkommt, Sie sind Mann im Haus, haben an Hosen und sagen: Die Bahn bleibt hier. Oben in Wohnung! So, jetzt habe ich gemacht Überstunden. Das macht 50,– € für heute.“ Jan-Oliver gab ihr das Geld, verabschiedete sich von Mariucca und setzte sich zu seiner Bahn.

Ach, bei Mariucca hörte sich alles so einfach an. Aber vielleicht war es das auch? Spontan holte er nach und nach seine Eisenbahn aus dem Keller, baute sie bis tief in die Nacht auf und saß schließlich, nach getaner Arbeit, erschöpft, aber hoch zufrieden mit einem Glas Whiskey in seinem Charles and Ray Eames Lounge Chair vor seiner Eisenbahn. Er hatte nur die Beleuchtung von der Bahn an, dazu lief Queen mit „I was born to love you“ und seine Bahn schnurrte zufrieden auf ihren Gleisen. „… I was born to take care of you, every single day …“. (Ich wurde geboren, auf dich aufzupassen, jeden einzelnen Tag …)

I was born to love you
with every single beat of my heart
yes, I was born to take care of you
every single day…
I was born to love you

Ich wurde geboren, dich zu lieben
mit jedem einzelnen Herzschlag
ja, ich wurde geboren, auf dich aufzupassen
jeden einzelnen Tag …
Ich wurde geboren, dich zu lieben
 

Ein zufriedenes und gesundes neues Jahr. Ich wünsche Ihnen, dass Sie mit Freude,  Leichtigkeit, Offenheit und Vertrauen sowie Ihren persönlichen Wünschen durchs neue Jahr gehen. Und pflegen Sie Ihr inneres Kind:-).

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Just do it by Bettina Bonkas

Ouch!”, Jan-Oliver cried out. “That hurt!”

Are you a girl or a man?” Mariucca asked him.

That’s got nothing to do with it. You’re sometimes simply too rough“, he retorted.

You already said so last time and it did you good. You will see, you will get up and feel like new”, Mariucca remarked unaffected by his response. “And besides, it is not my fault that you’re so tense. You should not work so much. You work, you’re tense, you work, you’re tense and in between I give you massage and try to help, what can be helped.”

Jan-Oliver sighed. Mariucca was right. Last time it hurt him but after her massage he felt clearly better. But she would never understand that a responsible job made a lot of effort necessary.

I know, you now think that I don’t understand why you work so much.” Jan-Oliver was dumbfounded and was about to say something but Mariucca was already talking. “Make some exercises to stretch your back and fill your chest with air and widen your stomach.” And she showed him some exercises. “That will relax your body and you too. Remember my words!” And with that she trudged away.

After the massage Jan-Oliver went into his study to go on working. He could hear her in the background, she was tidying up in the kitchen but soon he was completely absorbed in his work so that he forgot about her. In fact he remembered her words and he made some exercises in between to relax his back and his shoulders.

At first he didn’t notice that he didn’t hear Mariucca anymore, for quite some time as he realized. He called out her name repeatedly and went to look for her in his flat. He and Kerstin lived in the two top floors of a penthouse flat directly in the Westhafen in Frankfurt. They owned 150 sqm and had two big balconies, one facing the south side, the other one the west side with big flower pots and comfortable lounge areas. Maybe she was there to do some cleaning. But Jan-Oliver couldn’t find her there which wasn’t really surprising as it was winter. In the kitchen he finally found her bag. Strange! That wasn’t like her cleaning somewhere in the flat and being completely silent. She was either singing or on the phone using her plug-ins. Jan-Oliver couldn’t explain his anxiety but her absence somehow made him unsettled a bit. He was going to call her on her mobile when the lift door to the flat opened and Mariucca came in carrying a heavy cardboard box.

Help me!”

Quickly Jan-Oliver took the heavy box from her. “What have you carried up here?”

Mariucca on the other hand was all smiles. “I’ve found that in the basement. It is an electric railway. Down there you have a huge board with tracks and landscape. I’ve carried some parts upstairs.”

Jan-Oliver marveled: his electric railway. How long had it been since he played with it? But then he remembered Kerstin’s words.  “That’s very kind of you, Mariucca, but Kerstin thinks that we don’t have enough room up here. I should rather give it to a child who has better use of it. I’m too old for it, so she says.”

Humbug. You’re never too old for a train. And if you want train then you have to bang your fingers on the table.”

You bang your fist on the table”, Jan-Oliver corrected her automatically. She just looked at him unaffectedly.

If you want something in your life then you must fight for it. And the train would do you good. You’re too serious, you need more of a child. More playtime is good resolution for you for next year.”

At the sight of the train Jan-Oliver realised immediately how the little boy inside him came up again. He absolutely felt like unpacking the train, building up landscapes and let the train go through them. As a boy he used to build a lot around his train. When his parents had an argument he would let his train drive and with the repetitive sound of the train he could completely switch off. He noticed how he was getting more and more excited and how he was in the mood to activate his train. Kerstin would be far from being enthusiastic about it. That wouldn’t be a small dust catcher but a massive one.

Mariucca seemed to notice his inner fight. Sometimes it was really scary what she all observed. “Where’s Ms Hagebeck?”

Kerstin’s in China. She’ll be back on Friday.“ Kerstin was often on a business trip, that was part of her job. Jan-Oliver wasn’t happy about it but he didn’t want to stand in her way, he knew how important the business trips were for her career. His job was important to him too and when he had to finish something important and had no time, it was Kerstin who visited his parents.

You build up your train and you will see how good it does you. I can already see that. My mother has always said: Look after the child inside you. When Ms Hagebeck comes back, you be the man of the house, wear the breeches and tell Ms Hagebek: The train will stay here! So, I’ve worked overtime now. That makes €50,00 for today.” Jan-Oliver paid her, said good-bye to Mariucca and sat down beside his train.

It all sounded so easy with Mariucca. But maybe it was easy? Spontaneously, step by step, he got his train out of the basement, set it up until late in the night and finally, after all work was done, he sat exhausted but highly pleased with himself and a glass of whiskey in his Charles and Ray Eames Lounge chair in front of his electric train. It was only the light of the train on, in the background Queen with “I was born to love you” was to be heard and the train purred happily on its tracks. “… I was born to take care of you, every single day …”.

I was born to love you
with every single beat of my heart
yes, I was born to take care of you
every single day…
I was born to love you

Have a happy and healthy New Year. I wish you that you go with joy, lightness, openness and faith through the New Year together with your own personal wishes. And look after the child inside you :-).