Dezember 2014: So much alive – So lebendig

In der Dezember-Kurzgeschichte geht es um Liebe und eine wichtige Entscheidung.

So much alive by Bettina Bonkas

Lara was sitting on her bed. She stared in disbelief at the three stripes of paper in her hand. Three tests with the same result. There was no doubt, she was pregnant. How could this have happened? She had always been so careful. She knew all along that Ken didn’t want to have any children. He had enough on his plate with his wife who suffered from asthma and their two children. He loved Lara from the bottom of his heart and he would like nothing better than to be with her forever, he kept telling her. And she believed him. But should he leave his children and his wife in her poor state of health? And how would his wife cope with the situation? They would find a solution, just not now when the children were still so young. The youngest was at primary school, the older one was changing to secondary this year. They had to stick together. She would certainly understand. And she did, as she had for so many years.

She simply loved Ken. She felt free and easy-going in his presence and he could be so incredibly charming. Everything was so exciting with him, he always came up with new ideas and with him she had the feeling of discovering so much more about the world. She came from a conservative family of civil servants – averse to risk, safe jobs, investing their money in property and spending their holidays in the Black Forest every year. Always the same old story. With Ken she could escape the daily routine. And now the baby! No more security. She could keep her job, OK. Being a civil servant she even was entitled to a part-time job which was a lot more difficult in the private sector, she knew about that from her girlfriends. (not such a bad thing her parents’ safety-mindedness ;-)). But she didn’t want to lose Ken. She couldn’t imagine life without him!

She paced up and down in her flat. What was she to do? Life without Ken? No way! An abortion? That would be murder! She had no reason really. She was young, healthy and had no big financial problems thanks to her family’s mindset. Sure, she wouldn’t be able to live in the lap of luxury, but at least she wouldn’t have to worry about her future from a financial perspective. But without Ken? He had always made it very clear to her that he didn’t want to have any more children. Sometimes, very discreetly, she had asked him about it. She assured him that no one had to know about it, just the three of them. But he blocked every time she asked. Didn’t they have a great time together, just the two of them? Everything would change with a child. He knew what he was talking about. And then he had one of his crazy ideas, eased her mind and sent her worries packing. He was probably right: Their life was great the way it was. Why change it? She could give the baby away for adoption.

Lara lay down on the sofa and fell into a restless sleep. She dreamed of her belly which
grew bigger and bigger until a Minion popped out. Ken had given her a Minion as a
stuffed toy which could speak after they had seen “Incredible Me 2”. That was the way he
was: a big child. The Minion plopped now out of her and said: “Hello!” in its Minion voice. In her dream she was walking in the city and saw babies everywhere. When she looked into the faces of the passing people she saw baby faces. Some of them had hair and they looked at her with huge blue eyes. Baby heads on grown-up bodies, that was absurd. Others, on the other hand, were bald-headed and their huge eyes gazed at her. Then she saw something that she couldn’t get out of her mind. She glared at it unbelievingly and all of a sudden she knew what to do.

The sun was shining when she met Ken in a café in the afternoon. She had called him and briefly told him why she wanted to see him. She didn’t want to catch him unawares. Before she had seen a doctor to have her suspicion confirmed. Ken was sitting in the café when she came in. He looked fantastic with his tan and his blue shirt – a perfect match for his blue eyes. He got up, hugged her and came to the point straight away. “What a surprise!” He forced himself to a smile but Lara saw that his eyes weren’t smiling. “You’ll understand that I …” She interrupted him. “Ken, you take care of your family and I’ll take care of mine.” And she left him sitting alone in the café and went outside into the sun. Outside she took a deep breath.

In her dream she had seen the lively brown eyes of her two babies. She didn’t know how to go on but she knew that she would. And with those thoughts she left Ken together with the café behind her and enjoyed the feeling of the sun on her face.

 

 So lebendig von Bettina Bonkas

Lara saß auf ihrem Bett und schaute ungläubig auf die drei Streifen in ihrer Hand. Drei Tests mit demselben Ergebnis. Es gab keinen Zweifel, sie war schwanger. Wie konnte das nur passieren? Sie hatte doch immer so aufgepasst. Sie wusste, dass Ken keine Kinder wollte. Er hatte genug zu tun mit seiner asthmakranken Frau und ihren beiden Kindern. Er liebte Lara von Herzen und würde am liebsten für immer mit ihr zusammen sein, das beteuerte er ihr immer wieder. Aber sollte er seine Kinder mit der kranken Frau zurücklassen? Und überhaupt, wie würde sie, seine Frau, mit der Situation zurechtkommen? Es würde schon eine Lösung geben, nur eben nicht jetzt, wenn die Kinder noch so jung waren. Die Kleine war in der Grundschule, der Große wechselte dieses Jahr noch auf die weiterführende Schule. Da mussten sie zusammenhalten. Das würde sie doch verstehen. Und sie verstand. Wie so viele Jahre schon.

Sie liebte Ken einfach. In seiner Gegenwart fühlte sie sich so unbeschwert und frei und er konnte so wahnsinnig charmant sein. Alles war so aufregend mit ihm, er kam auf immer neue Ideen und sie hatte das Gefühl, die Welt mit ihm neu zu entdecken. Sie stammte aus einer konservativen Beamtenfamilie. Bloß kein Risiko eingehen, eine sichere Stelle, das Geld in eine Eigentumswohnung investieren und den Urlaub jedes Jahr im Schwarzwald verbringen. Immer der gleiche Trott. Mit Ken konnte sie diesem Trott entfliehen. Und jetzt das Baby! Nichts mehr mit Sicherheit. Ihren Job würde sie wenigstens behalten. Das war leichter als in der freien Wirtschaft, das hatte sie bei Freundinnen gesehen. (Also gar nicht schlecht die Sicherheits-denke ihrer Eltern;-)). Aber sie wollte Ken nicht verlieren. Sie konnte sich ein Leben ohne ihn nicht mehr vorstellen.

Ruhelos lief sie in ihrer Wohnung hin und her. Was sollte sie bloß tun? Ein Leben ohne Ken? Niemals! Abtreiben? Das wäre Mord! Sie hatte keinen wirklichen Grund. Sie war jung, gesund und dank des Sicherheitsdenkens ihrer Familie finanziell ausreichend ausgestattet. Klar, sie könnte keine großen Sprünge machen, aber zumindest müsste sie keine Existenzängste haben. Aber ohne Ken? Er hatte es ihr immer wieder sehr deutlich gemacht, dass er keine weiteren Kinder wolle. Manchmal, ganz dezent, sprach sie ihn darauf an. Sie beteuerte ihm auch, dass keiner davon wissen müsse. Nur sie drei. Aber er blockte jedes Mal ab. Hätten sie nicht so viel Spaß zusammen, nur sie zwei? Mit einem Kind würde sich alles ändern. Er wisse schließlich, wovon er rede. Und dann hatte er wieder eine seiner verrückten Ideen und brachte sie auf völlig andere Gedanken. Wahrscheinlich hatte er recht: Ihr Leben war so, wie es war, ganz wunderbar. Warum es ändern? Sie konnte das Kind schließlich zur Adoption freigeben.

Lara legte sich aufs Sofa und fiel in einen unruhigen Schlaf. Sie träumte davon, dass ihr
Bauch immer größer wurde und ein Minion herausploppte. Ken hatte ihr, nachdem sie „Ich – Einfach unverbesserlich 2“ gesehen hatten, ein Plüsch-Minion, das sprechen konnte, geschenkt. So war er, ein großes Kind. Jetzt ploppte es aus ihr heraus und rief: „Hallo!“ in seiner Minionstimme. Sie lief in ihrem Traum durch die Stadt und sah überall Babys. Wenn sie in die Gesichter der vorbeikommenden Menschen sah, sah sie Babygesichter. Manche hatten schon Haare und schauten sie mit großen blauen Augen an – Babyköpfe auf erwachsenen Körpern. Absurd! Andere wiederum waren glatzköpfig und ihre geweiteten Augen waren voll auf sie gerichtet. Dann sah sie etwas, das sie nicht mehr losließ. Sie starrte es ungläubig an und plötzlich wusste sie, wie sie sich entscheiden würde.

Die Sonne schien, als sie Ken am Nachmittag im Café traf. Sie hatte ihn angerufen und ihm kurz geschildert, um was es ging. Sie wollte Ken nicht unvorbereitet ins Gespräch gehen lassen. Mittlerweile hatte sie ihren Verdacht durch einen Arzt bestätigen lassen. Er saß bereits im Café, als sie eintrat. In seinem blauen Hemd, passend zu seinen blauen Augen, und der gebräunten Haut, sah er wahnsinnig attraktiv aus. Er begrüßte sie mit einer Umarmung und kam gleich zur Sache. „Das ist eine Überraschung!“ Er zwang sich zu einem Lächeln, aber Lara sah, dass seine Augen nicht mit lächelten. „Du wirst verstehen, dass ich …“ Sie unterbrach ihn. „Ken, du kümmerst dich um deine Familie und ich mich um meine.“ Und mit diesen Worten ließ sie ihn alleine am Tisch sitzen, verließ das Café und ging hinaus in die Sonne. Draußen angekommen atmete sie erst einmal tief durch.

Im Traum hatte sie die lebendigen braunen Augen ihrer zwei Babys gesehen. Wie es weitergehen würde, wusste sie nicht, dass es weitergehen würde schon. Und mit diesen Gedanken ließ sie das Café samt Ken hinter sich und genoss die Sonne auf ihrem Gesicht.