October 2014: Control – Kontrolle

Control part 2 by Bettina Bonkas

Jena was quiet. „You also asked me about possibilities. The company offers help. Do you see my suit? There’s a reinforcement in the back.“ Vanessa turned around to show her the back. “It’s for a straight posture and with your body language you show self-confidence. Then there’s a sensor in my clothes. It’s connected with a chip which is implanted under my skin. Have a look here.” Vanessa lifted her hair and pointed to a spot at her neck . “With the sensor in your clothes they can measure in which emotional condition you are and use the chip to take targeted measures. With that you’re perfectly prepared for each interview. When you don’t need help anymore you just switch off the sensor. That’s what I did when I arranged my shawl in the interview.” Jena looked at her incredulously. “That sounds completely high-tech, somehow spooky”, she finally said. “Yeah, I had the same thought in the beginning but it helps. I can do my job more efficiently, can sleep well in the night and I’m more relaxed. I have control over my emotions and I can steer my performance better. I want to move on. ChipPeople is a great employer. If that’s the price I have to pay, then I’m OK with it. Others have to show huge efforts, mine are small by comparison. I’m happy the way it is.” Both were silent and looked into the green garden. “How long have you had the chip?“ „For four months.“ “Can they control your private life?”, Jena asked. „No. You just have to remember to switch off the sensor. It’s a question of habit. In the beginning I sometimes forgot to switch it off but I’ve never felt observed. Why should they spy on your private life? The main thing is that you do a good job.”

A week later Jena had a chip implanted into her neck and got some new clothes. When choosing her new clothes she could submit to her fashion wishes. The clothes were exchanged for new ones in regular intervals and the cleaning was organized by her company. Jena didn’t feel so insecure anymore when conducting personnel interviews and she enjoyed being open for other things. After only one month with the chip she couldn’t imagine life without it anymore.

It was stormy outside and autumn was beginning to show its unpleasant sides. “Jena, could you come into my office, please? I’d like to have a word with you.” Vanessa had been promoted to head of HR in the meantime. Maybe she would offer her a group leader position. She closed the door behind her, excitedly. “Jena, I don’t want to beat about the bush. We don’t see a common future with you anymore that’s why we’re going to go our separate ways. You have increased your performance very much but to be honest we would have expected more from you after implanting the chip. You will get an appropriate redundancy payment and we are happy to support you in finding a new job.” Vanessa looked at her. There were no signs of emotions in her eyes. She put forward her concerns clearly expressed and bare of any empathy. Jena held her gaze. All of a sudden she realized how her coolness diminished and was replaced by fear instead. Why the hell didn’t her clothes work? Now, when she needed them most. Damn it! Vanessa seemed to be able to read her thoughts. “Don’t try. We changed the settings in your chip. I could even raise your emotions uncontrollably but I want to spare us this unpleasant and embarrassing situation. Just sign the termination agreement here.” She moved the agreement over to her. Jena  felt paralyzed. Everything seemed so unreal, like in a bad dream. And yet she became brutally aware that she had allowed them to take control over her. What did she really know about the chips they produced? Were they used in other companies too? Those thoughts send a shiver down her spine. And what did she know about Vanessa? Did she just put on an act for her to gain control over her?

“Will I ever be free from you?”, she finally managed to say. “Sweetie, how can you expect freedom when even civilized states survey their people? No, you will never be free. But you can learn to make the best of the situation. And you’ll be needing some quantum of luck”, Vanessa answered with a smile on her face.

Kontrolle Teil 2 von Bettina Bonkas

Jena schwieg. „Du hast mich auch nach Möglichkeiten gefragt. Die Firma bietet Hilfe an. Siehst du mein Kostüm? Im Rücken ist eine Verstärkung eingenäht.“ Vanessa drehte sich um, um ihr die Rückenpartie zu zeigen. „Damit hast du eine gerade Haltung und drückst schon mal durch deine Körpersprache Selbstvertrauen aus. Dann ist in der Kleidung ein Sensor angebracht. Er ist mit einem Chip verbunden, der in meiner Haut eingepflanzt ist. Schau hier.“ Vanessa hob ihre Haare hoch und zeigte auf eine Stelle an ihrem Nacken. „Mit dem Sensor in der Kleidung können sie messen, in welchem emotionalen Zustand du bist und mit Chip entsprechend entgegensteuern. Damit bist du für jedes Gespräch optimal vorbereitet. Wenn du die Hilfe nicht mehr brauchst, stellst du den Sensor einfach ab. Das habe ich vorhin gemacht, als ich meinen Schal arrangiert habe.“ Jena schaute sie ungläubig an. „Das ist, das ist ja total hightech-mäßig. Das klingt irgendwie gespenstisch“, brach sie schließlich hervor. „Ja, das habe ich am Anfang auch gedacht. Aber es hilft. Ich mache meinen Job effizienter, kann ruhig schlafen und bin entspannter. Ich habe Kontrolle über meine Emotionen und kann meine Leistungen besser steuern. Ich will vorankommen. ChipPeople ist ein super Arbeitgeber. Wenn das der Preis ist, den ich zahlen muss, dann bitte. Da bringen andere einen ganz anderen Einsatz.“ Beide schwiegen und blickten ins Grüne. „Seit wann hast du den Chip?“ „Seit vier Monaten.“ „Können Sie dich auch im Privatleben kontrollieren?“, fragte Jena. „Nein. Du musst nur daran denken, den Sensor auszuschalten. Ist Gewohnheitssache. Das habe ich am Anfang auch vergessen, aber ich habe mich nie beobachtet gefühlt. Wozu sollten sie auch dein Privatleben ausspionieren? Hauptsache zu machst einen guten Job.“

Eine Woche später ließ sich Jena einen Chip in den Nacken operieren und sich einkleiden. Bei der Auswahl der Kleidung konnte sie modische Wünsche anbringen. Die Kleider wurden ohnehin in regelmäßigen Abständen ausgetauscht und auch die Reinigung erfolgte über die Firma. Jena fühlte sich nicht mehr unsicher beim Führen von Personalgesprächen und genoss es, den Kopf frei für andere Dinge zu haben. Nach nur einem Monat mit dem Chip konnte sie sich gar nicht mehr vorstellen, wie es ohne war.

Es war stürmisch draußen und der Herbst zeigte sich von seiner unangenehmen Seite. „Jena, kommst du bitte in mein Büro. Ich möchte etwas mit dir besprechen.“ Vanessa war mittlerweile zur Personalchefin befördert worden. Vielleicht würde sie ihr eine Gruppenleiterposition anbieten. Aufgeregt schloss Jena die Tür hinter sich. „Jena, ich möchte ohne Umschweife zur Sache kommen. Wir werden uns von dir trennen. Du hast deine Leistungen in der letzten Zeit sehr gesteigert, aber, um ehrlich zu sein, hatten wir uns eine größere Leistungssteigerung nach der Implementierung des Chips erhofft. Du bekommst natürlich eine angemessen Abfindung und wir sind auch gerne bereit, dich bei der Stellensuche bestmöglich zu unterstützen.“ Vanessa sah sie an. In ihren Augen waren keine Anzeichen von Emotionen zu erkennen. Sie brachte ihr Anliegen klar und bestimmt zum Ausdruck. Jena erwiderte ihren Blick. Plötzlich spürte sie, wie ihre Coolness abnahm und Emotionen an ihre Stelle traten. Warum wirkte ihre Kleidung nicht? Jetzt, wo sie sie am meisten benötigte. Verdammt! Insbesondere jetzt, wo sie sie am meisten brauchte. Vanessa schien ihre Gedanken lesen zu können. „Bemühe dich nicht. Wir haben die Einstellungen in deinem Chip geändert. Ich könnte jetzt sogar deine Emotionen unkontrolliert ansteigen lassen, aber das möchte ich uns beiden ersparen. Unterschreibe einfach nur die Aufhebungsvereinbarung hier.“ Sie schob ihr die Vereinbarung zu. Jette fühlte sich wie gelähmt. Es kam ihr so unwirklich vor, wie in einem Traum. Und doch wurde ihr gleichzeitig brutal bewusst, dass sie sich in die Hände ihrer Firma begeben hatte. Was wusste sie überhaupt von den Chips, die sie produzierten? Wurden sie etwa auch in anderen Firmen eingesetzt? Der Gedanke ließ sie erschauern. Und was wusste sie von Vanessa überhaupt? Hatte sie ihr am Ende alles nur vorgespielt, um die Kontrolle über sie zu haben?

„Werde ich jemals frei von euch sein?“, brachte sie schließlich hervor. „Süße, wie kannst du Freiheit erwarten, wenn zivilisierte Staaten ihre Bürger überwachen? Nein, frei wirst du nie mehr sein. Aber du kannst lernen, dich zu arrangieren. Und du brauchst ein Quäntchen Glück“, antwortete Vanessa mit einem Lächeln.