
Welt-Glücks-Bericht 2026 – Was macht uns glücklich?
Der World Happiness Report 2026 (Welt-Glücks-Bericht) ist erschienen – und Deutschland hat sich verbessert: von Platz 17 auf Platz 22. Ein guter Sprung und für mich ein Anlass der Frage nachzugehen: Was macht uns eigentlich wirklich glücklich? Und noch wichtiger: Was können wir selbst dazu beitragen?
In diesem Beitrag verbinde ich meine Erfahrungen als Coach und Englisch-Trainerin mit Beispielen aus meiner Praxis. Sie zeigen Dir, wie Glück im Alltag greifbarer wird – und was Du ganz konkret für Dich mitnehmen kannst.
Was bremst uns – und warum?
Maike van den Boom, eine deutsche Glücksforscherin, die in Stockholm lebt, erklärt im ZDF-Interview auf den Punkt, warum wir Deutschen uns mit dem Glücklichsein schwertun:
„Wir Deutschen stehen uns selbst im Wege, weil wir uns gerne an Regeln halten. Wir wollen gerne Sicherheit und dass die Sachen so laufen, wie wir uns das vorgestellt haben. Aber das ist heutzutage nicht mehr so. Und damit haben wir Schwierigkeiten. Das steht unserem Glück im Weg.“
Und im Interview mit dem rbb vom 20.3.24: Uns Deutschen fehlt es an Gelassenheit und Zuversicht. Wir haben die Tendenz, in Angst und Schockstarre zu rutschen, bei all den Veränderungen, die gerade auf uns niederprasseln. Das ist zwar verständlich, hilft aber nicht beim Glücklichsein.
Was kann Deutschland von den Nordeuropäern lernen?
„Die Skandinavier sind sozusagen ohne Furcht. Sie fangen einfach erst einmal an. Das ist ihr Credo. Für sie sind Veränderungen ihr tägliches Brot. Sie haben die German Angst nicht und machen einfach mal. Und sie sind deswegen sehr viel schneller. Auch sehr viel innovativer, kreativer und glücklicher.“
Und der Report bestätigt das Jahr für Jahr: Finnland führt die Liste zum neunten Mal in Folge an.

Perfektionismus als Glücksbremse – meine Erfahrungen im Coaching und beim Englisch-Training
Ob im Coaching oder im Englisch-Training: Das Muster ist oft das gleiche. Viele haben gelernt, dass Fehler etwas Schlechtes sind. Der innere Zensor übernimmt. Das kostet Energie – und bremst.
Im Englisch-Training zeigt sich das besonders deutlich: Der Fokus liegt dann auf Fehlervermeidung, nicht auf Kommunikation. Pausen entstehen nicht durch Wissenslücken, sondern durch den Wunsch, perfekt zu sprechen. Das klingt angestrengt – und macht das Sprechen schwerer, als es sein müsste. Viele tragen diesen Mindset noch aus der Schule mit sich.
Perfektionismus bezieht sich natürlich nicht nur aufs Englischsprechen, sondern findet sich in allen Bereichen wieder: Bei der Arbeit. Im Leben ganz allgemein.
Laut Maike van den Boom gibt es in Skandinavien kein Richtig oder Falsch. In Schulen und Unternehmen interessiert vielmehr die Frage: Warum hat er oder sie das gemacht? Was hat ihn/sie dazu bewegt, das zu machen? Sie fragen nach und kommen somit zum Kern. Und Maike van der Boom sagt auch, dass es Wertigkeit bei den Berufen nicht gibt.

Drei Formen von Glück
Maike van den Boom (SWR-Interview) unterscheidet drei Formen von Glück:
1. Euphorisches Glück – das „frisch-verliebt“-Gefühl. Schön, aber vergänglich. Wer dauerhaft auf Wolke 7 schwebt, trifft schlechte Entscheidungen und wächst nicht.
2. Das glückliche Leben – bewusst, wertebasiert, nachhaltig. Glückliche Menschen sind kreativer, produktiver, loyaler und weniger krank. Sie sind intrinsisch motiviert – aus eigenem Antrieb, nicht weil es Druck von außen gibt.
3. Zufriedenheit – bewusst, wertebasiert, nachhaltig. Glückliche Menschen sind kreativer, produktiver, loyaler und weniger krank. Sie sind intrinsisch motiviert – aus eigenem Antrieb, nicht weil es Druck von außen gibt.
Ich kann ihre Erklärung zu Zufriedenheit gut nachvollziehen. Gleichzeitig hat Zufriedenheit für mich, wenn ich das Wort auf „Frieden“ zurückführe, eine eigene Qualität: innere Ruhe, innerer Frieden. – Ein wunderbares Gefühl.
Glück ist nicht die Abwesenheit von Unglück
Das klingt zunächst paradox. Aber: Krisen sind notwendig. Sie sind der Motor für Veränderung – als Mensch und als Gesellschaft. Glücksmomente sollen Momente bleiben – gerade weil sie so wertvoll sind, so Maike van der Boom.
Klar ist unser Glücksempfinden von äußeren Rahmenbedingungen abhängig. Es gibt aber eine Menge, was wir auf der persönlichen Ebene machen können.

9 Wege zu mehr Glück – konkret und aus der Praxis
1. Selbstmitgefühl – das Fundament
Oftmals sind wir unsere härtesten Kritiker. Ein wirksames Gegenmittel: das innere Narrativ umschreiben. Mantras helfen – nicht durch Magie, sondern durch Wiederholung. „Ich gebe mein Bestes, und das ist genug.“ Der stete Tropfen höhlt den Stein. Das ist ein Prozess – kein Schalter.
♦ Praxisbeispiel Coaching: Mut zum Vorstellungsgespräch
Eine Kundin wollte sich beruflich verändern. Das Vorstellungsgespräch auf Englisch machte ihr Angst. Wir übten – beginnend mit leichteren Situationen, um Sicherheit aufzubauen, und steigerten uns Schritt für Schritt bis hin zu anspruchsvollen Gesprächen.
Dann kam der Moment, in dem sie trotzdem abblockte.
Ich fragte sie: „Was würde im schlimmsten Fall passieren?“ – „Ich bekomme die Stelle nicht.“ – „Und was würde das bedeuten?“ – „Ich bliebe in meiner alten Stelle.“ – „Aber du hast es wenigstens versucht.“ Sie nickte.
„Was ist nicht daran zu mögen, wenn du dich deinen Ängsten gestellt hast – auch wenn es nicht klappt? Müsstest du dich nicht gerade für deinen Mut lieb haben?“
Sie lächelte: „Ja. Ich bin ängstlich – aber ich stelle mich meinen Ängsten. Das macht mich stolz.“
Wir hatten im Coaching vorab geübt, sich selbst mit Mitgefühl zu begegnen, auch wenn etwas nicht gelingt – anhand alltäglicher Situationen. Das half ihr in diesem Moment.
Sie hat die Stelle nicht bekommen. Aber sie hat sich kurz danach innerhalb ihrer Firma weiterentwickelt.
Psychologischer Hintergrund: Das Durchdenken von Worst-Case-Szenarien ist eine Technik aus der kognitiven Verhaltenstherapie. Das Schattenkind-Konzept und der Aufbau von Selbstmitgefühl sind anerkannte Coaching-Ansätze, um alte Schutzreflexe zu lösen. (Stefanie Stahl)
2. Haltung – Werte kennen und zu sich stehen
Zwei Fragen, die sich lohnen: Was sind eigentlich Deine Werte – nicht die der Gesellschaft? Und: Lebst du sie?
Beruf, Titel, Gehalt – das sind gesellschaftliche Erwartungen. Aber sind das auch Deine? Menschen mit einem klaren Wertekompass und innerer Unabhängigkeit wirken zufriedener und stabiler. Nicht weil sie alles haben. Sondern weil sie wissen, was für sie zählt.
Dazu gehört auch: Verbiege Dich nicht, um anderen zu gefallen. Stehe zu Deiner Meinung, auch wenn sie unbequem ist. Umgib Dich mit Menschen, die Dich respektieren und Dir echtes Feedback geben – dabei kommt es auf das Wie an.
3. Emotionen – Deine inneren Botschafter
Emotionen sind kein Hindernis. Sie sind Information.
Traurigkeit, Angst, Wut – all das hat eine Funktion. Es lohnt sich zu fragen: Was möchte mir dieses Gefühl sagen? Soll ich langsamer werden? Etwas aus einer anderen Perspektive betrachten? Gehe dem Gefühl auf den Grund.
♦ Praxisbeispiel Englisch: Wenn das eigentliche Problem tiefer liegt
Ein Kunde hatte sich in seinem Unternehmen hochgearbeitet. Sein Englisch war fachlich solide – aber es fehlte ein Flow. Er war zu bedacht, keine Fehler zu machen. Verständlich: Er wollte Kompetenz ausstrahlen.
Wir arbeiteten an Small Talk, an spontanen Gesprächen, an Leichtigkeit. Sein Englisch blieb zäh.
Irgendwann sagte ich ihm: „Ich bin der Meinung, dass wir mit normalem Englisch-Training nicht weiterkommen. Das Problem liegt tiefer. Magst Du Dir das anschauen? Dann würden wir ins Coaching übergehen.“
Er stammte aus einem sehr leistungsorientierten Elternhaus mit wenig emotionaler Wärme. Er identifizierte sich über seine Erfolge. Emotionen, Kreativität, Körpergefühl – Herausforderungen.
Über Improvisation brachten wir mehr Leichtigkeit und Humor in die Stunden. Er merkte: Nahbarkeit untergräbt keine Autorität. Im Gegenteil – er wurde für sein Team zugänglich und die gemeinsamen Ergebnisse verbesserten sich.
Sein Englisch wurde flüssiger: kurze Sätze, einfache Worte – aber die Fachsprache beherrschte er. Er musste nicht mehr „perfekt“ klingen. Er konnte sich auf das konzentrieren, was er wirklich gut konnte. Englisch wurde zum Mittel zum Zweck.
Psychologischer Hintergrund: Führungsforschung (u.a. Amy Edmondson, psychologische Sicherheit) zeigt: Nahbarkeit untergräbt Autorität nicht – sie stärkt sie, wenn sie mit Klarheit einhergeht.
4. Dankbarkeit
Like it or not, aber unser Gehirn ist darauf trainiert, den Fokus aufs Negative zu lenken. Aus einem wichtigen, evolutionären Grund: der berühmte Säbelzahntiger. (In meinem Beitrag „Schlechte Angewohnheiten ablegen“ schreibe ich ausführlicher darüber.)
Keinen Grund, den Kopf in den Sand zu stecken. Verschiebe lieber die Balance & erweitere Dein Denken, in dem Du die Dinge wahrnimmst, für die Du dankbar bist. Z.B. mit einem Dankbarkeitstagebuch. Vielleicht magst Du es schön gestalten, so dass es Dir schon Freude bereitet, wenn Du es siehst.
Das schult Deine Wahrnehmung für die schönen Dinge im Leben.
5. Realitätsbezug & Perspektivwechsel – der ASK Prozess
Die meisten Sorgen treten nicht ein. It’s as simple as this. (So einfach ist das.)

In der März 2024-Ausgabe von Psychologies empfiehlt die Psychologin Dr. Meg Arroll einen Realitätscheck mit der ASK-Methode:
- A steht für „Accurate“: Ist der Gedanke richtig? Was ist der Beweis dafür? Wir treffen oft Annahmen, die kein genaues Bild der Realität darstellen.
- S steht für „Sensible“: Ist der Gedanke vernünftig – oder steckt Angst dahinter? Das ist ein fehlgeleiteter Versuch, der unserer Sicherheit dienen soll. Da die Grundlage dieser Gedanken jedoch auf Angst basiert, sind sie oft unlogisch.
- K steht für „Kind“: Ist dieser Gedanke freundlich? Wenn nein, welche Funktion erfüllt diese Art des Denkens?
(accurate = richtig | sensible = vernünftig | kind = freundlich)
6. Lachen – die unterschätzte Medizin
Lachen verbessert die Stimmung, stärkt das Immunsystem und fördert soziale Verbindung. Und weil Lachen die beste Medizin ist, so der Volksmund, habe ich dem Thema „Lachen macht glücklich & gesund“ einen eigenen Blogbeitrag gewidmet. – Happy Reading. 🙂
7. Komfortzone & Bubble verlassen
Wer nur in der eigenen Bubble bleibt – unter Gleichgesinnten, mit den gleichen Gedanken – wächst nicht. Probiere Dich aus. Lass Dich auf Neues ein. Nicht alles wird auf Anhieb gelingen: Dann kommt das Mantra unterTipp 1 kommt hier sehr gut zum Einsatz. 🙂
Nur wer sich immer wieder Herausforderungen stellt und bereit ist, an ihnen zu wachsen, wird sich weiterentwickeln. Dafür reichen schon sog. Baby steps. Du entscheidest, welches Tempo für Dich passt.
Hier findest Du mehr zum Thema Resilienz sowie eine Kurzgeschichte: „Resilienz„.
Ein besonders wichtiger Resilienzfaktor: Akzeptanz. Es kostet enorm viel Energie, gegen Dinge anzukämpfen, die sich nicht ändern lassen. Erst wenn wir das Unvermeidliche annehmen, öffnen sich neue Wege.
Reinhold Niebuhrs Gelassenheitsgebet bringt es auf den Punkt „Ich wünsche mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die nicht zu ändern sind, den Mut, Dinge zu ändern, die geändert werden müssen und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.“
Zu Gelassenheit habe ich einen Blogbeitrag geschrieben: „Das Ja, und-Prinzip für mehr Gelassenheit“.
9. Beziehungen & Miteinander
Glück beginnt mit der Beziehung zu dir selbst. Aber es braucht auch andere.
Die Forschung zeigt: In Ländern mit hohem gegenseitigem Vertrauen – wie in Skandinavien (ca. 65–70 %) – sind die Menschen glücklicher. In Deutschland liegt dieses Vertrauensniveau bei ca. 38 %.
Wenn jemand wirklich an uns interessiert ist und „Wie geht es dir?“ keine Floskel ist – öffnet das etwas. Der Wunsch nach Gemeinschaft ist da. Er muss nur aktiviert werden. Das können wir alle tun – privat wie beruflich.
„Der Motor dafür, dass eine ganze Gesellschaft glücklicher werde, ist vor allem der Umgang untereinander und mit sich selbst“, so Maike van den Boom.“ Die Skandinavier sind unglaublich gut darin, liebevoll mit sich selbst und mit anderen umzugehen, sich und andere wachsen zu lassen.“ Das zu nutzen, um als gesamte Gesellschaft weiterzukommen, sei das Geheimnis des Glücks.
Sprachenlernen als Spiegel der inneren Haltung
♦ Praxisbeispiel Englisch: Umschreiben statt blockieren
Ein Kunde sprach flüssig Englisch – für ein gutes Gespräch absolut ausreichend. Dann fehlte ihm plötzlich ein Ausdruck. Die Unterhaltung stockte. Er hätte den fehlenden Ausdruck locker umschreiben können.
In solchen Momenten üben wir Folgendes: Umschreiben. Ich bitte den Kunden, den Satz zunächst auf Deutsch zu formulieren – in seinem Fall: „Es ist egal, von wo ich arbeite.“
Dann gebe ich eine einfache Umschreibung des gleichen Gedankens mit der Bitte, diese zu übersetzen: „Ich kann von zu Hause oder im Büro arbeiten – beides ist ok.“ Seine Übersetzung: „I can work from home or in the office, both are fine.“
Erst dann nenne ich die fehlende Wendung: „It doesn’t matter.“
Dann spiegel ich, dass kein Mensch hört, wenn ihm ein Ausdruck in der Unterhaltung fehlt und wir diese umschreiben – das müssen wir ständig tun.
Der Umweg über die Umschreibung ist kein Umweg – er ist das eigentliche Training. Wer gelernt hat, Gedanken flexibel auszudrücken, bleibt im Gespräch flüssig, auch wenn ein Wort fehlt. Das macht u.a. den Unterschied zwischen einer fließenden Unterhaltung und einer stockenden.
Flexibilität und Improvisationsvermögen kommt uns im Leben generell zugute.
Für mich persönlich
Glücklichsein ist eine Entscheidung – kein Zustand, der einfach passiert. Ja, äußere Umstände spielen eine Rolle. Aber wir haben mehr Einfluss, als wir oft glauben.
Für mich persönlich kommt noch mein Glaube dazu – er gibt mir Vertrauen, Halt und Liebe. Liebe ist für mich das verbindende Element, das uns alle zusammenhält.
Wir alle können unseren Beitrag leisten, to make this world a better place.
Oder wie Maike van den Boom so sinngemäß sagte: Wir alle sind die Gesellschaft. Jede/r Einzelne von uns ist die kleinste Einheit der Gesellschaft. Wenn wir alle einen Beitrag leisten, dann verändert sich etwas. Wir sind nicht hilflos.
Was macht Dich glücklich? 
Was macht uns glücklich?
Deine 9 Wege zu mehr Glück:
- Selbstmitgefühl
- Haltung – Werte kennen und zu sich stehen
- Emotionen – Botschafter unseres Wohlbefindens
- Dankbarkeit
- Realitätsbezug & Perspektivwechsel mit dem ASK-Prozess
- Lachen
- Komfortzone & Bubble verlassen
- Resilienz – die Kraft in dir
- Beziehungen & Miteinander
Und vergiss nicht,
jeder Schritt zählt. Auch der kleine: „Ich gebe mein Bestes und das ist genug.“

Was macht Dich glücklich? Ich freue mich, von Dir zu hören.
Du möchtest mehr?
Erkennst du dich in einem der Beispiele wieder – oder merkst, dass du alleine nicht weiterkommst?
Dann schau Dir gernemein Coaching-Angebot oder Englisch-Training an. Ein kostenloses Kennenlerngespräch ist der einfachste erst Schritt.